Die Wuhlheide im 2. Weltkrieg

Plan für den Volks- und Waldpark Wuhlheide von Ernst Harrich, 1924, farbig (Archiv Museen Treptow-Köpenick)
Luftbild des Volks- und Waldpark Wuhlheide 1943: Baubeginn des Zwangsarbeiterlagers auf der ehemaligen Sportwiese und der großen Waldwiese (Archiv Bezirksamt Treptow-Köpenick)

Fast zeitgleich mit dem Ende der Arbeiten im Volkspark Wuhlheide kamen die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht und begannen, alle Bereiche des öffentlichen Lebens im Sinne ihrer Ideologie umzugestalten. Das bedeutete auch das Ende für die „Volksparkidee“, denn ein Park, den jeder Besucher nach Gutdünken nutzen konnte, lag nicht im Interesse ihres totalitären Staates. Rein äußerlich hatte dies zunächst keine Konsequenzen, was sich jedoch mit Kriegsbeginn änderte. Schon bald fehlte es an Arbeitskräften, finanziellen Mitteln und anderen Ressourcen, um Parkanlagen zu pflegen und instandzuhalten. Ab 1941 wurden in vielen Berliner Parks – auch in der Wuhlheide – Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung gebaut. Während sich Berichte über die Aufstellung von Flakeinheiten auf dem Gebiet der Wuhlheide nicht mehr verifizieren lassen, ist die Errichtung von Zwangs- und Arbeitslagern auf dem Wuhlheide-Terrain unbestritten.

Zwangs- und Arbeitslager in der Wuhlheide

Östlich der Trabrennbahn zwischen der Bahnlinie und dem Wasserwerk Wuhlheide wurde von 1942 bis 1944 eines der vielen sogenannten Reichsbahngemeinschaftslager betrieben. Es war ursprünglich als Unterkunft für Arbeiter aus ganz Deutschland angelegt worden, die beim Aufbau der Reichshauptstadt „Germania“ helfen sollten. Während des II. Weltkrieges wurden deutsche Arbeitskräfte rar und Zwangsarbeiter aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten sowie Kriegsgefangene zogen ein. Das für 1.495 Personen ausgelegte Lager bestand aus acht Wohn- und Schlafbaracken sowie diversen zusätzlichen Einrichtungen. Es beherbergte neben 932 sowjetischen Kriegsgefangenen („Schulungs- und Arbeitsrussen“) auch englische und italienische Kriegsgefangene, die manuelle Erdarbeiten auf Baustellen der Deutschen Reichsbahn ausführen mussten. Einer Notiz zufolge waren die italischen Kriegsgefangenen ab 16.04.1944 freie Arbeiter und wurden folglich nicht mehr bewacht.

Ein weiteres Lager soll sich auf der ehemaligen Sportwiese und der großen Waldwiese des alten Volksparkgeländes befunden haben. Es wird berichtet, dass in dem abgezäunten Lager ausländische Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge lebten. Sie mussten unter schwersten Bedingungen in den Oberschöneweider Betrieben arbeiten, in denen in großen Mengen Rüstungsgüter hergestellt wurden.

Das berüchtigte Gestapo-Lager Wuhlheide dagegen befand sich nicht auf dem Gebiet der Wuhlheide, sondern auf dem Gelände des heutigen Berliner Tierparks in Friedrichsfelde.

Literatur:

  • Jörg Bock, die wuhlheide. Zur Geschichte des Volks- und Waldparks, Karlshorster Beiträge zur Geschichte und Kultur, Heft 8, S. 46f.
  • Die Wuhlheide, Dokumentation der Projektgruppe „Stadtmaler“ 1996/97; Edition Motiv der ARBLI GmbH, S. 41